1983 – die Grenzgeneration, Teil 2. Zeit und Instinkt.

Die letzten Wochen habe ich viel über das Thema Generationen nachgegrübelt. Aktuell diskutieren alle über die Millennials und meckern über so manche Dinge, die die neue Jugend anders macht. Ich muss gestehen, auch ich habe mich der Meckerei schuldig gemacht, wie ich in Teil 1 dieses Beitrags angedeutet habe. Da ich aber generell ein aufgeschlossener Mensch bin, stellte ich mir irgendwann die Frage: Warum sind wir so kritisch gegenüber der nächsten Generation? Und während ich etwas darüber nachdachte, fiel mir auf: Das ist ja nicht nur heute ein Thema. Viele Eltern jammern über die neuen Einstellungen ihrer Kinder und viele Großeltern erzählen nur zu gerne darüber „dass früher ja alles anders war“.

Woher kommt das?

Jede Generation passt sich an seine Umgebung an, den gesellschaftlichen Veränderungen. Wenn nun jede Generation seine Umgebung anders wahrnimmt, anders handeln möchte, dann muss man die Gründe in der Entwicklung der Gesellschaft suchen. Dafür empfiehlt es sich einen Blick auf die Geschichte zu werfen.

Seit dem ersten Weltkrieg hat sich die Welt in einem atemberaubenden Tempo verändert, und dieses Tempo hat sich in den letzten vierzig Jahren gefühlt noch einmal verdoppelt. Ich habe mal eine Reportage über einen Mann gesehen, der in den 90-iger Jahren inhaftiert wurde und zwölf Jahre später wieder in die Gesellschaft zurückkehrte. Er beschrieb wie seltsam ihm alles vorkam, allein aufgrund der technischen Entwicklungen innerhalb dieser geschichtlich gesehen geringen Zeitspanne von zwölf Jahren. Das fand ich sehr beeindruckend.

Doch trotz der neuen Schnelligkeit: Ist Veränderung nicht ein normaler Teil des Lebens? Wirft man einen Blick auf die bekannte Weltgeschichte in einer groben Übersicht, fällt einem schnell auf, dass sich im Grunde alles ständig wiederholt. Es werden Kriege geführt, Länder erobert und wieder verloren, Katastrophen komme und gehen usw. Alles auf der Welt befindet sich in ständigem Wandel.

Aber sollte das uns Menschen nicht offener gegenüber Veränderung machen, anstatt misstrauischer?

Grübelei über Abneigungen, führte mich parallel zu einem anderen Gedanken. In Verbindung mit dem Thema Abnehmen hörte ich einmal eine interessante Theorie. Wir alle kennen das Sprichwort vom „inneren Schweinehund“. In diesem Zusammenhang kann man sich eine ganz ähnliche Frage stellen: Wenn wir doch auf intellektueller Ebene wissen, dass eine Diät gut für uns ist und wir uns anschließend besser fühlen werden, warum fällt es uns dann so schwer?
Diesbezüglich habe ich von einer interessanten Theorie gehört: Das Sträuben gegen eine Diät sei in Wirklichkeit das Sträuben gegen die Veränderung und dies wiederum ein Teil unserer primitiven Überlebensinstinkte, was auch ein gewisses Potential an Angst birgt. Um beim o.g. Beispiel zu bleiben: Das „Wissen“ darüber, dass es uns nach der Diät besser gehen wird, ist kein echtes Wissen. Es ist eine logische Schlussfolgerung, basierend auf dem, was wir aus verschiedenen Quellen gelernt haben. Selbst wenn wir schon einmal eine erfolgreiche Diät gemacht haben und aus Erfahrung wissen, dass es uns danach besser geht, fällt uns eine neue Diät meist schwer. Laut besagter Theorie basiert dies darauf, dass unsere Urinstinkte nicht auf Basis der Zukunft agieren. Die Zukunft ist noch nicht passiert. Unsere Instinkte interessiert nur eines: Das Jetzt. Wer kein gesundheitlicher Notfall ist, dem geht es ja trotz Übergewicht normal gut. Unser Instinkt denkt also: Jetzt geht es mir gut, aber wenn ich etwas verändere, könnte es sich ja auch zum Negativen verändern, und das ist für unseren Überlebensinstinkt ein Risikofaktor. Folglich sträuben wir uns erst einmal.

Ich glaube dieselbe Theorie lässt sich auch mit dem Misstrauen gegenüber des Generationenwechsels in Verbindung bringen. Obwohl gesellschaftliche Veränderungen seit jeher Teil unseres Lebens sind, wir mit ihnen also theoretisch vertraut sind, so bleiben wir doch misstrauisch, weil wir nicht wissen, in welche Richtung sich alles entwickelt.

Wie also damit umgehen?

Ich glaube die Basis zum Umgang mit jeglicher Veränderung sind Offenheit, gute Kommunikation und Lernbereitschaft. Anstatt schnell zu urteilen, sollten wir zuhören, anstatt starr auf unserer Sichtweise zu beharren, sollten wir versuchen uns in anderen hineinzuversetzen.

So habe ich mir die Zeit genommen, mich mit einigen Menschen der Millennial-Generation zu unterhalten und habe viele Parallelen entdeckt. Ob Arbeitsplatz, Umwelt oder Freizeit-Trends, jede Generation sucht seinen Platz, seine Identität und sehnt sich nach Veränderung und das ist auch gut so. Denn wenn sich die Welt verändert braucht sie eine Generation, die sich mit diesen Veränderungen auseinandersetzt.